Dienstag, 5. Juni 2018

Entscheidungen fällen will gelernt sein

Ich glaube, jedes Elter hat immer mal so Sätze gehört, auf die es gerne Paroli bieten würde oder zumindest eine Grundsatzdiskussion anzetteln möchte. Aussagen, die einem immer wieder begegnen - und ich mag mir dann gerne die Haare raufen.

"Da muss man durchgreifen" ist so eine Redewendung, so ein Satz, der leicht dahergesagt ist, aber für mich voll mit Problemen beladen ist (das liegt auch sicherlich daran, dass ich gerne stundenlang Gespräche auseinandernehme und interpretiere). Warum?

Ich möchte über das Kind nicht bestimmen. Es soll in einem Rahmen so viel wie möglich selbst bestimmen dürfen. Weil es schon häufig genug mir folgen muss - leider. Bei so vielen Dingen, die es selbst nicht entscheiden kann oder auch dort nur in einem so kleinen Maße, dass es eben nicht wirklich zählt.
Deshalb bin ich so sehr bemüht, bei allen Dingen, wo er einfach entscheiden kann, dass ich es ihm auch ermögliche.
Und ansonsten heißt es: Konsens finden. Lösungsorientiert agieren, soweit es möglich ist.


Dass, wenn erstmal eine Entscheidung gefällt ist, man dazu steht: dies stelle ich überhaupt nicht in Frage, hier in dem Fall zu sagen: "Du wolltest nach Hause, du hast dich dazu bereit erklärt, dann machen wir das jetzt auch" ist dann ein wichtiger Anker meiner Meinung nach. 
Und ernsthaft, Entscheidungen fällen ist wahnsinnig schwer und ich selbst kann es überhaupt nicht gut und lerne jeden Tag dazu und übe mich immer wieder darin. Aber eigentlich bin ich oft damit überfordert. 

Jakob ist derzeit ein unruhiges Fähnchen im Wind, binnen Sekunden, und meistens auch schon in einem Satz, sagt er völlig gegensätzliche Dinge: "Ich will nach Hause - ich will aber hier bleiben." Und das bei so ziemlich allen Entscheidungen, bei denen es darum geht, irgendwohin zu gehen, die Wohnung also zu verlassen oder von wo wieder aufzubrechen zurück nach Hause. 

Ich habe ganz genau null Interesse, gegen mein Kind zu arbeiten. Warum sollte ich das tun? Warum ?!? Gibt es nicht Wege zu einer gemeinsamen Entscheidung zu finden, soweit dies möglich ist? Einen Konsens, der alle Bedürfnisse befriedigt? Der alle sieht und alle miteinbezieht?

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