Von Attachment Parenting zu Unerzogen

Ich möchte hier gar nichts vergleichen, gar nichts klarstellen, gar nichts verallgemeinern, sondern einfach nur von unserem bisherigen Weg berichten. Wie es uns ergangen ist und wie wir empfinden. Wie wir das für uns Passende und richtig Anfühlende suchen. Und glaube ich gefunden haben. Den Anfang davon.

Während der Schwangerschaft las ich vor allem Bücher über dieselbige. Was wann wie wo wächst und gedeiht und auch über Geburt las ich. Übers Wochenbett, die ersten Wochen. Ich las nichts bzw. wenig über die Zeit danach. Nach den ersten drei Monaten war quasi nichts mehr. Und über Erziehung las ich schon mal überhaupt gar nichts. Keine Ratgeber, keine Blogposts, keine Artikel.

Aber zu dem Zeitpunkt las ich natürlich schon Blogs wie Geborgen Wachsen, Von guten Eltern, Stillzwerg und ÖkoHippieRabenmütter und somit auch erste Dinge über AP und auch Unerzogen, wobei letzteres wirklich nur sehr, sehr am Rande. 
Aber zu dem Zeitpunkt war die Zeit eben noch nicht reif. Ich konnte mir das Mutterdasein noch überhaupt nicht vorstellen und während der Schwangerschaft war das alles noch sehr abstrakt für mich. 
Klar, Ideen und Vorstellungen hatte ich reichlich, viele davon absolut unrealistisch, andere wiederum schon nahe an der Wirklichkeit, aber so richtig interessant wurden derlei Themen eben erst später. Und eben auch jetzt, ganz akut und aktuell!

Und dann war er eben da, der Zeitpunkt, und ich merkte, wie ich mit AP nicht mehr weiterkam. AP war die Rettung für den Anfang und ist auch sicherlich jetzt, das Wissen darum zumindest, sehr hilfreich. Aber wenn es um ältere Babys und Kleinkinder geht - da war ich nicht mehr so ganz auf dem richtigen Dampfer.

Angefangen hat alles mit dem Blog Die Physik von Beziehungen, wenig später kam auch noch Unerzogen leben hinzu. Und seit einiger Zeit auch die Facebookgruppe, die wirklich richtig hilfreich ist und natürlich viel spezifischer auf die Menschen eingehen kann, als Blogposts es tun können. Und auch das unerzogen-Magazin ist eine kleine, feine Fundgrube für hintergründliches Wissen. 

Hier findet sich eine sehr gute kurze Zusammenfassung davon, was unterzogen bedeutet.

"Im unerzogen-Kontext werden unter “Erziehung” planmäßige (absichtliche) und zielgerichtete Tätigkeiten zur Formung von (meist jungen) Menschen verstanden.

Erziehung findet nicht “ganz natürlich” bei jeder Kommunikation, bei jeder Beeinflussung, statt, sondern nur, wenn sich einer über den anderen erhebt und meint, ihn zu einem Ziel (hiner)ziehen zu dürfen oder zu müssen.
Erziehende Menschen versuchen, ihre Vorstellung darüber durchzusetzen, wie eine zu erziehende Person sein soll. Erziehung hat den Anspruch, Menschen zu ändern. Eigenschaften des Zöglings, die die Erziehenden als “negativ” ansehen, versuchen sie zu unterdrücken, während sie “positive” Eigenschaften verstärken wollen."

Diese Definition trifft es verdammt gut: alles, was ich mir vorstelle unter meiner Beziehung Love, alles, was ich vermeiden möchte zwischen uns und alles, was ich tatsächlich sogar verabscheue. Weil ich weiß, dass ich nicht so ein Mensch bin, der das kann: erziehen im klassischen Sinne. Überhaupt nicht. Früher habe ich darüber Witze gemacht, aber inzwischen weiß ich, dass es wirklich nicht geht. Hochsensibilität hin oder her, es stellen sich diverse Dinge in mir quer, wenn ich versuchen soll, bei einem "Nein" zu bleiben, wo ich absolut nicht hinterstehe. Weil ich es völlig bescheuert finde. 
Oder warum man dieses und jenes genau tun oder lassen sollte, weil die Kinder dann zu Tyrannen werden - alles schon gelesen, alles schon gehört, alles Bullshit. 

Wie kann ein Kind zu einem Tyrann werden, wenn man ihm vorlebt, wie man selbst lebt: mit Achtung vor Menschen, mit Achtung vor der Natur, mit Achtung vor dem Leben. Mit Liebe und Hingabe zu allem, was einem wichtig ist, mit Vorsicht und Rücksicht, einfach auf Augenhöhe sein mit dem Kind. Dieses von Oben herab war noch nie meines (ich würde auch eine ganz miese Chefin abgeben) und es passt nicht zu unserer bisherigen Beziehung.

Unerzogen klingt leicht, ist schnell dahin gesagt, es mutet so laisser-faire an ... Es ist Arbeit, harte Arbeit. An sich selbst. Und nur an sich selbst. Es bedeutet Umdenken, Umgewöhnung, Umstellung, Einhalten, Innehalten, Überlegen, Neu machen ... 

Wie unerzogen im Alltag aussieht, gelebt wird, wie es bei uns ausschaut damit? Tja, das zeigt sich langsam und wird sich weiterhin entwickeln.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Unser Wochenende in Bildern - 8./ 9.10.2016

Unser Wochenende in Bildern - 3./ 4. Juni 2017

Unser Wochenende in Bildern - 04./ 05.02.2017