Donnerstag, 16. Februar 2017

Hochsensibel: Rezension "Hochsensible Mütter" und meine Darlegung


Ich kaufe mir eigentlich selten ein Buch "einfach so", aber als ich anfing zu recherchieren, welche Bücher es über Hochsensibilität und Co gibt, da war ich sowieso über Brigitte Schorr gestolpert und im Besonderen über ihr Buch "Hochsensible Mütter", welches nunmal genau das Thema trifft! Hochsensibel und Mutter, ich meine: Hallo. Steht mein Name drauf, quasi. Und es war ein mehr als guter Kauf.

Schon das kleine Kapitel "Ein Dienstagnachmittag im November" hätte von mir sein können. In dem beschreibt sie die Krux einer jungen Mutter, die weiß, dass sie eigentlich hinaus sollte, in den Schönwettertag, aber es einfach nicht schafft, aus diversen Gründen: "Es bedeutet eine Herausforderung für sie, den Kinderwagen zurechtzumachen, die Wickeltasche zu packen [...], den Kleinen anzuziehen [...] und das Zimmer zu verlassen. Eigentlich ist ihr nach Ruhe und Einsamkeit zumute, aber sofort meldet sich das schlechte Gewissen, ihr ständiger Begleiter." (Schorr 2016: 13)

"Wird eine hochsensible Frau Mutter, fließt ihre Veranlagung mit dem gesellschaftlichen Rollenbild zusammen. Das fühlt sich dann mitunter schwer, zerrissen und auf vielfältige Weise unsicher an." (Schorr 2016: 13)
Ich denke, genau aus dem Grund kam und kommt es jetzt genau zu diesem Zeitpunkt dazu, dass ich mich mit dem Thema so intensiv auseinander setze.

Die vier Kriterien, also Merkmale, die jeden Hochsensiblen auszeichnen, sind die "schmale Komfortzone", der Bereich, wo sich alles gut und richtig anfühlt und man sich einfach wohlfühlt. Der Bereich ist bei HSP meist klein. Bei mir sehr SEHR klein. Gerade durch Love erlebe ich diesen Bereich als minimalst. Ich bin quasi den ganzen Tag nur noch am Austarieren.
Das zweite Kriterium ist die "Neigung zur Überstimulation". Überstimuliert ist man, wenn einem alles zuviel wird im nächsten Moment, man wird nervös oder fahrig, die normalen Dinge des Alltags fallen einem schwer. 
"Überstimuliert zu sein schwächt und es fühlt sich an wie ein Gewitter im Kopf und wie eine Konfusion des Herzen." (Schorr 2016: 25)
Kann ich so unterschreiben.
Das dritte Kriterium ist das "lange Nachhallen". "Alles, was sie erleben, wirkt in Ihnen lange nach. Ihr Organismus ist wie ein Speicher, in dem alle Situationen, alle E-Mails, Telefonate und Gespräche gesammelt werden und dort mitunter wochenlang verbleiben, bis sie verarbeitet sind." (s.o.: 25)
Insbesondere das ist bei mir sehr ausgeprägt. 
Das letzte Kriterium, die "stark ausgeprägte individuelle Wahrnehmungsfähigkeit", bezieht sich auf Berührungen, Farben/ Gestaltung, Geräusche und Stimmungen, die jede HSP anders wahrnimmt, also anders im Sinne von verschieden stark.  

Ihr Fragebogen zur Selbsteinschätzung (S. 30) mit Punkten wie "Die Stimmungen meines Kindes beeinflussen mich stark" oder "In Gegenwart anderer kann ich oft nicht unbefangen mit meinem Kind umgehen" und ganz besonders "Konsequent zu sein in der Erziehung fällt mir eher schwer" sollte man sich -höhö- selbst einschätzen und es gibt ganze 20 dieser "Fragen" und nun ja - es hat sich ein klareres Bild ergeben, auf Anhieb. 

"Wenn Sie sich mit Ihrer Hochsensibilität beschäftigen, dann mag sich das stellenweise so anfühlen, als würde ein ganzer Spiegelsaal voller Kronleuchter in Ihrem Kopf angezündet werden, so klar und hell erscheinen Ihnen dann Ihre Erfahrungen im Licht der Hochsensibilität." (Schorr 2016: 39)  Und genau aus diesem Grund wird der Blog hier gerade mit dem Thema zugeballert. Weil es mir gerade sehr viel nützt und bringt, mich intensiv mit dem Thema zu befassen. Vor allem mit Büchern dazu, aber auch eine tolle Facebookgruppe mit anderen hochsensiblen Müttern habe ich Dank Kathrin gefunden. 

Schorr befasst sich dann in Kapiteln mit Unterkapiteln mit treffenden Themen wie "Zwischen Langeweile und Überforderung" (ganz groß bei mir), "Über Nähe und Distanz" und "Über den Umgang mit Kritik" (oh Gott, da fange ich besser gar nicht erst an, so empfindlich bin ich was das anbelangt). 
Also nur kleine Anrisse hier, klar. Ganz hilfreich finde ich Ihre Anregungen in Frageform zum Schluss solch einzelner Unterkapitel, wie etwa "Wieviel Nähe vertragen Sie, wie viel Distanz fühlt sich gut an, ohne dass Sie sich einsam fühlen?"
Auch wenn ich diese um ehrlich zu sein nur überflogen habe, hoffe ich, bald die Zeit dazu zu finden, auch darüber nachzudenken. Ein Schritt dahin, sich spezifischer mit sich selbst und dem Thema auseinander zu setzen. 

Ich kann jeder hochsensiblen Mutter und um ehrlich zu sein auch jedem Partner/ jeder Partnerin einer hochsensiblen Mutter nur dazu raten, dieses Buch zu lesen. Es hat mir in jedem Fall ganz viele Spiegelsäle eröffnet und ausgeleuchtet und ich wette, ich werde nicht das letzte Mal es gelesen haben. 

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