Dienstag, 13. September 2016

Meine schlechten 5 Minuten

Ich mache jetzt hier eine Kiste auf. Die "Manchmal-fühle-ich-mich-wie-eine-schlechte-Mutter"-Kiste. Die Kiste, die man nicht gerne aufmacht, aufmachen lässt. Die Kiste, die man so gerne verstecken und niemals herausholen möchte. Die, die man sich selbst nicht gerne eingesteht.

Aber heute tue ich das und ich weiß, morgen ist alles wieder gut. Aber heute ist heute, auch wenn es Abend ist. Endlich - irgendwie.

Ich bin nicht der geduldigste Mensch. Niemals gewesen und werde ich auch nicht mehr. Glaube ich. 
Die Schwangerschaft und Love haben das nur bedingt geändert. In guten Zeiten kann ich geduldiger sein, ohne dass ich lange darüber nachdenken muss. Aber gerade in diesem Moment ist das eine riesengroße Prüfung für mich.

Es fing schon gestern Abend an. Schlafsack anziehen, nein, ich will nicht schlafen, Schlafsack ausziehen, Buch gucken. Wieder anziehen, nein, doch noch eine Runde mich bewegen, wieder aus, wieder an. 
Es ging viermal so, bis wir dann endlich mal soweit waren. Der Tag war lang gewesen, an sich aber total gut und ich war froh, dass alles so gut gelaufen war. Eigentlich hätte ich entspannt sein können. War ich aber irgendwie überhaupt nicht. Nicht nach so vielen Versuchen, die mit Geschrei geendet sind.

Die Nacht war alles andere als gut, es war schwierig, es war wuselig. Der Morgen fing früh an, erstmal war die Laune ganz gut, dann nach einem Sturz mit Schramme wurde es schon komplizierter. 

Ich kann nicht in Loves Kopf gucken aber ich wünschte mir so sehr, dass ich es könnte - dann würde ich ihn ganz anders unterstützen. Aber so kann ich nur raten, was gerade schief läuft, wo der Hase im Gras sitzt und piesackt.

Manchmal geht es nur um fünf Minuten, wenn überhaupt, die ich mich fertig machen, Sachen packen muss und dann könnten wir sofort rausgehen und die Welt wäre wieder in Döschen. 
Aber aus diesen fünf Minuten werden dreißig, weil auf dem Boden absetzen nicht geht, weil alles, alles doof ist, das Geschrei ist riesig, das Gemeckere alsbald unerträglich. 
Ich kann es nicht haben, nicht auf lange Sicht, ich möchte doch so sehr, dass es ihm gut geht, er lacht und fröhlich ist.

Was er dann auch ist, später, im Park oder auf dem Spielplatz, wo es so toll ist, wo es viel Spaß macht, wo andere Leute und Kinder sind, man nicht mehr eingesperrt ist von den eigenen vier Wänden.

Und ich bin vorher einfach nur noch verzweifelt. Ich weiß nicht, was nicht richtig ist, ich kann ihn nicht die ganze Zeit auf dem Arm tragen, in die Trage möchte er nicht. Ich kann nicht mal richtig kochen, weil es keine Beschäftigung gibt, die ihm das Warten versüßen könnte, die Zeit verkürzen.

Ich bin gerade sehr, sehr unentspannt, und das weiß ich auch. Ich hätte mir früher Freiraum und Auszeit verschaffen müssen, aber dazu war ich nicht fähig. Daran muss ich noch arbeiten. Es steht mir nicht auf die Stirn geschrieben, dass ich eine Pause brauche. Aber praktisch wäre es schon.

Und dann kommt eine Nachricht, mitten am Tag, die mir sehr, sehr guttut. Weil sie einfach aus dem Nichts kommt, als ob sie, die dahintersteckt, geahnt hätte, dass es heute nicht so ist, wie es sein sollte. Dass ich nicht die bin, die ich eigentlich sein möchte und sein kann. Und die dennoch sagt "Du bist eine gute Mutter". In genau diesen Worten, in genau dem Moment. Danke dafür!

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