Replik auf "Endlich ich, Zeit für mich?" von Fräulein Tandaradei

Antonia hat auf ihrem Blog FräuleinTandaradei einen spannenden Blogpost veröffentlicht: "Endlich ich, Zeit für mich?", der mich so sehr angesprochen hat, dass ich auch meinen Senf dazugeben möchte. Und zwar keinen zustimmenden, um ehrlich zu sein. Aber darum geht es ja, Diskussion und so. Habe ich mir sagen lassen ;)

Als Love zweieinhalb Wochen alt war, bin ich das erste Mal wieder in die Uni gegangen. Für zwei Stunden! Diese zwei Stunden haben sicht, nicht "nur" aufgrund des Unterrichts, gezogen wie Kaugummi, sondern auch, weil ich das erste Mal vom Küken getrennt war. Er war zuhause, bei Jonas, behütet und getätschelt, keine Frage, aber ich wette, Jonas hätte sich auch Sorgen gemacht, wenn er mich das erste Mal mit dem Lütten alleine gelassen hätte. Also egal in welcher Konstellation, das erste Mal sein frisches Küken da aus den Armen zu geben, war wirklich seltsam. Kurz und gut:
Ich kam nach dem Kurs nach Hause und alles hatte prima geklappt und super funkionuckelt. 


So schön, so wunderbar, so einfach und von da an hatte ich niemals mehr ein schlechtes Gefühl, Love aus meiner Umarmung zu geben.
Das war auch Weihnachten so, als wir ihn, acht Wochen alt, das erste Mal den Großeltern überließen. 
Denn wir wohnen leider sehr weit weg von unseren Elternhäusern, wir haben diesen Luxus nur alle paar Monate mal, und wir wussten: wenn nicht jetzt, wann dann?
Wir waren das erste Mal drei, das zweite Mal fünf Stunden weg und es hat alles ganz toll geklappt. Das wiederholten wir dann auch im März nochmal und im April ließen wir ihn durchaus auch mal alleine mit unseren Eltern spazieren gehen und wir blieben Zuhause.

Ja, was soll ich sagen: ich finde es schön, dass es so reibungslos immer geklappt hat, und wäre es auch nur einmal nicht gut gegangen, hätte Love gezeigt, dass er sich dabei nicht wohlfühlt - selbstverständlich und natürlich hätten wir es nicht mitgemacht. Hätten wir ihn nicht "alleine" gelassen, hätten das eben anders geregelt. Einfach abgewartet, bis er ein wenig älter ist.

Denn ja, ich bin Mutter, ja, Jonas ist Vater, aber wir sind immer noch wir selbst, wir sind immer noch ein Paar. Wir haben unsere Ichs um eine Facetten erweitert, wir sind reicher geworden, aber eben genau deswegen brauchen wir auch beide ab und an mal eine Auszeit - alleine, zu zweit oder mit Freunden. 
Ich finde es absolut nicht schlimm, von Love getrennt zu sein, für ein paar Stunden halt nur. Ich brauche auch diese Zeit, nicht jeden Tag, aber alle paar Tage mal ist das schön. Um in Ruhe Dinge zu machen, die man sonst nicht schafft, zu denen man keine Lust hat. Zu wissen, dass man in drei Minuten nicht aufspringen muss, einfach um runterzufahren. Man steht unter Dauerspannung, auch wenn Love schläft, ist man niemals völlig abgeschaltet, man läuft einfach immer, der Körper ist zum Sprung bereit sozusagen.
Wie sehr viel ruhiger und befreiter kann ich nach einer kurzen Atemluftholpause sein, wenn ich ihn dann endlich wieder in meine Arme schließen kann?! 

Ganz ehrlich: um als Mama nicht völlig abzudrehen und mich voll auf Love konzentrieren zu können, brauche ich Pausen (auch wenn die zurzeit kaum vorhanden sind). Von ihm, von der Welt, Zeit mal ganz und gar nur für mich. Und nein, nicht beim Friseur liebe Antonia, das kann ich auch nicht haben!

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