Die Lanze brechen

Wie komme ich jetzt auf die gute alte Sache mit der Dyskalkulie? War gerade beim Veganz, einkaufen (wenn man schon im Goodies ist, ich kann da einfach nicht dran vorbeigehen) und hatte ein paar reduzierte Sachen mitgenommen und keinen Kassenbon verlangt. Auf dem Rückweg dachte ich mir dann, ob die Summe passt ... Auch ein bissl spät um da überhaupt noch dran zu denken, aber ich war auch irgendwie echt fertig mit der Welt. Ist ja auch egal, auf jeden Fall stehe ich wirklich auf Kriegsfuß mit Zahlen, und was eben das Fieseste ist: in meiner ganzen Schulzeit ist es nicht anerkannt geschweige denn auch nur ernst genommen worden! 
Jede*r kennt sie, denke ich, die Lese-Rechtschreib-Schwäche, gerne mit LRS abgekürzt. Nur den wenigstens sagt im Gegensatz dazu die Matheschwäche, oder eben auch Dyskalkulie, etwas. 
Anders wie die LRS ist das irgendwie so ein "Ach, du kannst eben einfach kein Mathe" ... Und dann auch noch als Mädchen!! Dieses blöde Mädchen können Sprache und Jungs Naturwissenschaften Denken. Wäre es anders gewesen wäre ich ein Junge? 
Keine Ahnung, ich hoffe es eigentlich nur, denn so, wie ich wirklich teilweise gelitten habe während meiner Schulzeit und auch heute noch darunter leide, nichts mit Zahlen anfangen zu können, ist einfach echt ätzend.
Vielleicht ist nicht mit Zahlen denken können auch einfach abstrakter als nicht richtig schreiben oder lesen können?
Als Veranschaulichung, warum Dyskalkulie eben nicht nur "Du bist einfach zu doof für Mathe" ist: Ich habe Probleme mit der Angabe und dem Lesen digitaler Uhrzeiten, beim Einkauf käme ich niemals auf die Idee, einen Überschlag zu machen, wieviel ist zahlen muss, da mein Verständnis ein völlig anderes ist, ich käme auch niemals auf die Idee, mein Wechselgeld zu zählen, am liebsten zahle ich alles mit Karte, da kann nichts schiefgehen (und man schiebe mir jetzt bloß kein Problem mit Geld an sich zu, das habe ich nämlich ganz und gar nicht, es sind halt Zahlen, die sind das grundlegende Problem!)
Einfachste Rechenarten sind für mich völlig abstrakt, Prozentrechnen habe ich nie gelernt, ebenso eigentlich alles, was im Unterricht an Mathematik unterrichtet wurde, trotz zwei Mal Nachhilfe in der Woche.
Richtig fies war dieses "Du bist einfach zu faul, du gibst dir keine Mühe, du machst nicht genug ..." Das ist das furchtbar frustrierend, man tut und macht, reißt sich auf gut Deutsch gesagt den Allerwertesten auf und dann gibt es immer nur Arschtritte noch und nöcher!
Ich kann einfach nicht mit Zahlen, und anders wie mein Mathelehrer damals in der Oberstufe immer behauptet hat, es gäbe überhaupt gar keine Studienfach ohne irgendwas mit Mathe (mit dem ich eine tollen Deal hatte: ich versuche immer meine Hausaufgaben zu machen und immer da zu sein dann gibt er mir eine Vier) kann ich ganz sicher behaupten: es GIBT Studienfächer ohne Mathe, ohne Statistik, ohne all diesen Kram, der für mich immer nur Versagensängste geschürt hat. Skandinavistik ist so eines! 
Nochmal: Dyskalkuliker sind nicht dumm, genauso wenig wie Menschen mit anderen Lernschwächen, und eingebildet ist es auch nicht, es ist im alltäglichen Leben durchaus ähnlich belastend und überhaupt sind wir es wert, endlich gehört und anerkannt zu werden.
Und bis heute bin ich meinen Eltern unheimlich dankbar dafür, dass sie mich nicht haben hängen lassen und dass ich Dank der Nachhilfe, die alles andere als günstig war, überhaupt den Realschulabschluss geschafft habe!

Kommentare

  1. Was bedeuten schon Zahlen,dafür bist du eine phantastische Mutter und das ist viel mehr wert.Gruss Mama

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  2. Ich habe die Erfahrung gemacht es gibt Zahlen und es gibt Mathe. Zahlen und kaufmännisches Rechnen ist total was anderes als Mathe; aber Kopfrechnen kann ich auch nicht und da wirst du sehr drüber gewertet.

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    1. Das ist wirklich ein Unterschied, wenn auch für mich eher kaum, von den Fähigkeiten her zumindest.

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  3. Oder wie Lars grad meinte: viele Leute schliessen von deiner Fähigkeit Kopfrechnen auf deine Intelligenz zurück, was natürlich totaler Müll ist.

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