Die Geburt

Für viele ist es sicherlich seltsam, über ihre Geburt zu berichten, schon vor engen Freunden und Familie vielleicht, und vor allem, wenn man dann auch noch nur eingeschränkte Kontrolle hat, wer es liest. 
Für mich allerdings waren Geburtsberichte auf Blogs und im Eltern-Forum sehr hilfreich und deshalb stand für mich schon sehr früh fest, von unseren Erfahrungen zu berichten, wie es uns ergangen ist, wie wir uns dabei gefühlt haben und wie es abgelaufen ist. Denn ganz ehrlich, über nichts wird soviel Bockmist und Halbwahrheit erzählt wie über Geburten und Co. Das ist zum einen echt sinnlos und unnötig angsteinflößend und ganz großer Unsinn obendrein! Eine kleine Vorwarnung noch: Eigentlich sollte der ganze Spaß ja im Geburtshaus stattfinden, allerdings hatte sich das leider durch die B-Streptokokken nicht mehr als sinnvoll erwiesen, sodass wir auch zur Geburt eh ins Krankenhaus gingen mussten.
Also, jetzt aber ab die Post:

Es gibt ja viele Theorien dazu, wie und durch was eine Geburt ausgelöst wird - und natürlich braucht man nur "Wehen fördern Tipps" bei Google eingeben und schon kriegt man da massenhaft Zeug zu lesen, wovon ich hoffe, dass nicht alles Anwendung findet. Denn teilweise ist das richtig  gruselig.
Ob jetzt unser schöner langer Herbstspaziergang die erwünschte Wirkung herbeiführte, oder die Brustwarzenhofmassage oder aber der "wehenfördernde" Tee aus Eisenkraut, Kardamom, Ingwer und Co - man weiß es nicht. Ich glaube, dass die Plazenta einfach gesagt hat "Nö, ich habe keinen Bock mehr, meine Arbeit ist getan" und damit eine Hormondosis lostrat, die sich gewaschen hat.

Bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag dachte ich mir "Oh, das könnte was sein." Diffuse Wehen würde ich das jetzt nennen, aber noch völlig unspektakulär und absolut im Rahmen. Um sieben bin ich dann am Sonntag aufgestanden, dachte mir so "Ja cool, schön dass wir zur Kontrolle eh ins Krankenhaus müssen, mich würde doch langsam interessieren, was das CTG an Wehentätigkeit sagt."
Erstmal musste ich Jonas von meinen vermuteten Wehen in Kenntnis setzen, das war um neun, der war direkt ein wenig hibbelig ;) 
Um zehn im Krankenhaus angerufen, wann ich denn kommen sollte. Sofort wäre ganz passend. Um halb elf waren wir da, ab ans CTG und da waren Wehen drauf, ich sags Euch! 
Wir sollten eine Stunde spazieren gehen und um halb eins sollte ich dann ans nächste CTG. Wir ab nach Hause, die Tasche holen - langsam aber sicher wurde uns glaube ich klar, dass es jetzt doch ernst wurde, wobei ich tatsächlich nicht damit gerechnet hätte, aus dem Krankenhaus nur noch bedingt herausgelassen zu werden. Ich dachte, das würde sich jetzt alles noch hübsch in alle erdenklichen Längen und Breiten ziehen ... HAHA!

  Zuhause merkte ich dann schon "Boah, langsam wirds fies" und machte lustige Turnübungen, während Jonas die letzten Sachen zusammenpackte. Um halb eins waren wir brav zurück im Krankenhaus. Das CTG war richtig hübsch wehig, ich bekam langsam aber sicher die Krise muss ich zugeben. 
Um Punkt 13 Uhr platzte dann die Fruchtblase, ich sag Euch, ich habe mich sowas von erschrocken und war davon überrumpelt - ja, ich weiß, natürlich platzt irgendwann die Fruchtblase, das muss sie, aber irgendwie dachte ich zu dem Zeitpunkt immer noch, dass es Stunden dauern würde. 
Um zwanzig vor zwei wurde dann das allererste Mal nach dem Stand des Muttermundes getastet, da hieß es 4-5 cm. Wie bitte? Das ging ganz schön schnell. Ich habs immer noch nicht gerallt, ganz ehrlich.
Die Wehen waren ab dem Stadium wo die Fruchtblase platzte übrigens so heftig geworden, dass ich eigentlich langsam aber sicher nicht mehr wusste, wohin mit mir, ich wollte nur noch um mich schlagen und treten und habe glaube ich einen ganz schönen Terz gemacht. 

Endlich wurde auch ein Kreißsaal frei, wohin wir dann verlegt wurden (an dem Tag war irgendwie ganz schön was los) und ich war inzwischen soweit, dass ich um Schmerzmittel bat, eine Infusion sollte angelegt werden. 
Leider bzw. zum Glück war gerade Schichtwechsel, denn ich bekam jetzt die beste Hebamme aller Zeiten, ganz ehrlich. Gut, nur meine Wochenbetthebamme ist noch toller!
Der Nachteil an diesem ganzen Schichtwechselzeug: ich bekam kein Schmerzmittel, alles zog sich in die Länge und die Wehen waren nur noch da, keine Pausen, kein Durchatmen, kein Garnichts war möglich. Das war einfach nur noch eine Welt aus Schmerz, anders kann ich es nicht beschreiben. 
Irgendwann war der Zeitpunkt, wo mir meine Angst vor Spritzen und diesem ganzen PDA Zeugs nur noch egal war, und Jonas irgendwie in die Gänge bekam, dass der Wunsch nach PDA sehr nötig und sehr groß und einfach nur noch DA war! 
Gegen viertel vor zwei wurde endlich mit der PDA angefangen, um viertel nach drei war alles überstanden und dann bekam ich überhaupt erstmal die Hebamme mit und den ganzen Schichtwechsel (was einem alles nachher erzählt wird wovon man gar nichts mitbekommen hat ...)
Ich liebte diese Hebamme von dem Moment an, wo sie ins Zimmer kam und sagte "So eine PDA ist geil, oder? Ich habe alle meine drei Kinder mit PDA bekommen, es gibt nichts Besseres." Ich war SO erleichtert und endlich war ich schmerzfrei und alles war einfach nur noch gut! Drogen sind das Tollste auf der Welt, wirklich, es war wirklich ein Gefühl von ich weiß nicht was, wenn man diesen Schmerzen entkommt, es war - berauschend, wirklich!

Um viertel vor vier die nächste Muttermunduntersuchung - BÄMM, 10 cm! Ich habe auch das nicht geglaubt und die ganze Zeit gedacht, die gute Frau will mich verarschen. Das konnte doch gar nicht sein, vor ein paar Stunden war ich noch Zuhause und dachte "Vor morgen wird das eh nichts."

Um viertel nach vier befand sich Jakob bereits nur noch 2 cm vom Ausgang entfernt und Jonas konnte bereits einen schwarzen Haarschopf ausmachen - langsam aber sicher habe ich es da dann doch glauben können. Unser Kind kommt noch heute auf die Welt - wie krass ist das denn?! Ja, natürlich, man hat alle Zeit der Welt sich drauf einzustellen und gerade die letzten Tage sind natürlich schon auch irgendwie nochmal so ein Wink mit der Zaunlatte aber ... das ging jetzt alles doch ganz schön fix irgendwie.

Ab fünf Uhr war die Hebamme, die uns zwischendurch alleine gelassen hatte und nur ab und zu hereinschaute, was ich ganz angenehm fand, wieder da und befand: "Ab jetzt können wir es mal mit Pressen versuchen." Oh mein Gott, das waren jetzt noch harte fünfundfünfzig Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen und wo der Schmerz natürlich wieder zunahm, ich kann Euch sagen, das ist wirklich harte Arbeit und ganz schön Kräftezehrend. Aufgrund der Schmerzen bin ich leider auch dreimal ziemlich weg gewesen, was gerade nach dem letzten Mal der Hebamme doch langsam Angst machte. Auch schien der Kopf einen Tacken zu groß bzw. mein Damm dehnte sich nicht in der Geschwindigkeit, die es eigentlich gebraucht hätte. Inzwischen gab es ja nicht nur die Hebamme am Bett, sondern auch noch eine Assistenzärztin, die von oben auf den Bauch drücken sollte. Ich hatte zwar die Kraft und schaffte auch immer gute Stücke, aber meine Puste reichte einfach nicht aus und manchmal war ich doch ein wenig überfordert von den ganzen "Aus, Ein, Kopf auf Brust" ... Ja, eine Stunde kann ganz schön lang sein.

Nachdem ich also zum dritten Mal wegkippte (das muss man sich mal vorstellen, umzukippen ohne umzukippen), wurde noch ein weiterer Arzt hinzugerufen, der mir mit der Kiwi (sprich Saugglocke) "drohte" und die Hebamme war gleichzeitig für einen Dammschnitt und ich sag Euch was dann los war: bei der nächsten Wehe wurde unser Jakob Love geboren!

Kommentare

  1. Tapfere Sache. Und das bei deiner Krankenhaus/ Spriten Phobie. Alle gesund und munter noch abends nach Hause gekommen und einen Nachmittag Schmerzen für dieses Glück hält man doch gern aus , oder ;)?

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    1. Aber total! Jede einzelne Sekunde war es mehr als wert.Und noch ein Vorteil hat es: positive Erfahrung mit Krankenhäusern kann man als Phobikerin niemals haben :P

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